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Lieber Herr Putzer, danke für Ihre Antwort. Hier der Versuch einer Spätabendantwort: Das Anthropozän wäre m.E. sehr missverstanden, wenn man es als anthropozentrisch bezeichnen würde. Es ist eben gerade weder anthropozentrisch noch biozentrisch, sondern verbindet beides - ich spreche gerne von “anthropozänisch” (weswegen mein Blog bei Scilogs auch “der Anthropozäniker” heißt (erreichbar auch via http://www.anthropocene.de ). Also weg von einer uns distant umgebenden Umwelt (in der wir uns nicht wirklich verortet fühlen), hin zu einer “Unswelt” (im Sinne von: das ist unser aller Welt, also aller Pflanzen, Tier, Menschen, Algen, Bakterien etc.). Und die Anthroposphäre steht in dauernder Interaktion mit allen weiten Sphären des Erdsystems.

Wegen der verschiedenen Kalender: ja, das Problem ist mir bewusst. Wir sprechen in der Geologie bei absoluten Altersdatierungen gerne von “before Present”, das wäre 1950 (nach unserem Kalender, aber das kann man dann eben mit anderen Kalendersystemen korrelieren, ein Alter before Present ergäbe dann immer dasselbe Alter in Jahren.

Und noch kurz zu den Sedimenten. Ja, es gibt natürlich schon noch Sedimente, die überwiegend noch ohne starken anthropogenen Einfluss sind, also keine durchgängige “Technosphäre” bilden. Dennoch findet man anthropozäne “Technofossilien” quasi überall, auch in unberührt erscheinenden Sedimenten - und zwar viel einfacher als etwa “Leitfossilien” zur Jura-Zeit. Ich muss z.B. ganz schön hämmern, um endlich mal einen Ammoniten in Juragesteinen zu finden, aber Mikroplastikpartikel sind heute schon überall in den jungen, anthropozänen Sedimenten - in Tiefseesedimenten genauso wie in Bergseen, in Mooren, Böden, Korallenriffen usw usw (in Flüssen und Seen sowieso). Ja, und wir übernehmen sehr viele geologische Prozesse: wir tragen ganze Berge ab, transportieren viel mehr Sediment, als natürlichen Prozessen entspräche, bestimmen, wo Flüsse fließen sollen, schaffen lauter neue Seen (als Stauseen, in denen auch das Sediment abgefangen wird, also nicht mehr bis in die Deltas gelangt), bestimmen, was wo und wie leben darf, heben auch noch den Meeresspiegel und erwärmen das Klima, Dennoch würde ich nicht davon sprechen, dass die Geologie “anthropozentrischer” wird, sondern wir halt insgesamt in allen Disziplinen (und eben besonders auch in der Geologie) viel systemischer an viele Dinge herangehen müssen. Spezialistentum in den einzelnen Disziplinen, um “wissenschaftliche Tiefgrabungen” zu machen und dazu sehr fokussiert zu arbeiten, braucht es natürlich weiterhin, aber das haben wir ja auch überall. Wir benötigen zusätzlich viel mehr inter- und transdisziplinäres, und echte systemische Ansätze. Das öffnet die Augen, zeigt, wie alles mit allem zusammenhängt und interagiert, und bringt uns damit auch wieder näher an die Natur heran.

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