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Die vier Dimensionen der Bildung. Was Schülerinnen und Schüler im 21. Jahrhundert lernen müssen

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Die vier Dimensionen der Bildung. Was Schülerinnen und Schüler im 21. Jahrhundert lernen müssen

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Introduction

Written by Janne Wagner

Published to te.ma 06.12.2022

te.ma DOI 10.57964/70vf-bn86

Written by Janne Wagner
Published to te.ma 06.12.2022
te.ma DOI 10.57964/70vf-bn86

Was müssen junge Menschen lernen, die heute in die Schule gehen, 2040 ihren ersten Arbeitsplatz antreten und Ende des 21. Jahrhunderts Verantwortung tragen werden? Bisher wurde überwiegend über das Wie von Schule diskutiert. Entscheidender ist jedoch immer mehr die Frage nach dem Was, sagt Charles Fadel. Mit der Abhandlung „Die vier Dimensionen der Bildung” wollen er und seine Mitautorinnen einen praxistauglichen, organisatorischen Rahmen für die Kompetenzen vorlegen, die Schüler*innen im 21. Jahrhundert erlernen und beherrschen sollten.

Während noch eine Generation zuvor vom Bildungssystem erwartet wurde, dass es den Lernenden etwas für das ganze Leben beibringe, stoße ein solches System heute an seine Grenzen, so die These von Charles Fadel. Da Gesellschaft einem rasanten wirtschaftlichen und sozialen Wandel unterliege, könne Bildung nicht mehr nach dem alten Schema „auf Jobs [vorbereiten], die es noch gar nicht gibt, auf die Benutzung von Technik [vorbereiten], die noch gar nicht erfunden wurde [...]”1. Die Welt, für die unser Bildungswesen geschaffen wurde, existiere nicht mehr, so die Autoren und: „Das gegenwärtige, wissenszentrierte Curriculum bereitet Schüler*innen nicht angemessen auf den Arbeitsmarkt und das Leben von heute (noch weniger von morgen) vor.” Es sei denn, sie bekommen mehr Übung in der Anwendung des Wissens.

Doch Was muss ein zeitgemäßes Bildungssystem können?
„Die Welt der Zukunft wird von Synthetisieren beherrscht werden, von Menschen, die in der Lage sind, sich die richtigen Informationen zur richtigen Zeit und mit den richtigen Mitteln zu beschaffen, sie kritisch zu überdenken und dann einsichtige Entscheidungen zu treffen.“ prognostizierte E.O. Wilson bereits 1998. Fadel et. al. schließen hier an und postulieren, dass Schüler*innen im 21. Jahrhundert Fähigkeiten erlernen müssten, mit Hilfe derer sie anpassungsfähig und versatil seien.

Denn im Zeitalter allwissender Suchmaschinen – so die streitbare Behauptung der Autoren – ist es von Bedeutung, vorhandene Informationen und Kenntnisse auf ganz neue Situationen übertragen und anwenden zu können. Dementsprechend geht der Trend weg von Spezialisten und Generalisten hin zu Versatilität. Die Broschüre definiert auf diesen Grundannahmen aufbauend vier Dimensionen, mit deren Hilfe Curricula dem gegenwärtigen Stand der Welt angepasst und für eine ungewisse Zukunft gerüstet werden sollen. Es richtet sich sowohl an Lehrende, politische Entscheidungsträger*innen und Entwickler*innen von Standards und Lehrplänen. Aber auch an alle, die ein Verständnis der gegenwärtigen Herausforderungen entwickeln oder an Lösungen mitwirken wollen.

Wissen:
Wissen bleibt zwar unverzichtbar, jedoch ergibt sich ein Problem der realisierbaren Menge. Da die zu vermittelnde Wissensmenge immer umfangreicher wird und zugleich zu erlernende Kompetenzen hinzukommen, sollte darüber nachgedacht werden, welche Inhalte pro Fach wirklich von Bedeutung sind.

Skills:
Sie repräsentieren, wie wir das nutzen, was wir wissen. Entgegen der Annahme in der Bildungsdebatte, dass das Unterrichten von Skills zu Lasten des inhaltlichen Unterrichts geht, ist das Autorenteam vom Gegenteil überzeugt: Skills und Wissen verstärken sich in einer Positiv-Spirale. Inhalte können besser gemerkt werden, wenn Skills aktiv darauf angewandt werden. Als entscheidende Skills sind die vier K´s hervorzuheben: Kreativität, kritisches Denken, Kommunikation, Kooperation.

Charakter:
Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts fordern soziale und gesellschaftliche Verantwortungsübernahme. Durch Wissen und Skills allein kann diese nicht erreicht werden. Aus der Forschung ist bekannt, dass Charaktereigenschaften erlernt und auf verschiedene Stufen entwickelt werden können. Weshalb Charaktereigenschaften wichtige ergänzende Prädiktoren für Lernerfolg, produktive Arbeit und aktive Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung darstellen. Wie genau dies in der Schule umgesetzt werden soll, lassen die Autoren allerdings offen.

Meta-Lernen:
Der beste Weg, Lernende auf die Welt im Wandel vorzubereiten, besteht darin, ihnen Entwicklungskompetenzen mitzugeben. Besitzen sie die Fähigkeit, des „Lernen lernens”, so sind sie zu versatilem, reflektiertem, selbstbestimmtem Handeln in der Lage und verinnerlichen lebenslanges Lernen.

Neue Kompetenzen und Fähigkeiten in einem bestehenden System anzuerkennen und zu integrieren, scheint erfahrungsgemäß beinahe unmöglich. Meistens werden neue Ziele und ihre Inhalte nur angedockt. Auf bestehende Teile des Curriculums zu verzichten, damit neue aufgenommen werden können, falle einschlägigen Experten mit wissenschaftlichem Hintergrund schwer, so Charles et al. Die Autoren erachten es als eine Lösungsmöglichkeit, ergänzend Fachleute aus der Praxis hinzuzuziehen, die einen Blick für die Anforderungen im “echten Leben” haben. So könnten jene Inhalte berücksichtigt werden, die Schüler*innen rein praktisch im zukünftigen Leben gebrauchen können sowie das Bedürfnis nach Aufrechterhaltung des traditionellen Wissens gestillt werden.

Footnotes
1

 Charles Fadel, Maya Bialik, Bernie Trilling: Die vier Dimensionen der Bildung: Was Schülerinnen und Schüler im 21. Jahrhundert lernen müssen.(S.1) Verlag ZLL21 e.V., Hamburg 2017, ISBN: 978-3-9818942-0-2.

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Edward O. Wilson war ein US-amerikanischer Biologe. Er wurde hauptächlich durch seine Arbeiten in der Soziobiologie und Evolutionstheorie bekannt.

Das vier K-Modell geht auf die US-amerikanische NPO „Partnership for 21st Century Learning" (P21) zurück. Es formuliert vier überfachliche Kompetenzen, welche für Lernende des 21. Jahrhunderts von zentraler Bedeutung sind.

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