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Diese drei Kausalitätsebenen – international, bilaterial und “domestic” – finde ich als erstes Grobraster für eine Analyse auch gut geeignet. Es schliessen sich aber natürlich zahlreiche Fragen an. Für mich zum Beispiel:

Wenn die Kausalitäten so komplex sind (was ja überhaupt nicht heisst, dass es sich in jedem Fall um intentionale, gewollte oder auch nur in Kauf genommene Verursachungen handeln muss), wieso ist es so schwer, im Raum des Politischen und oft selbst im wissenschaftlichen Diskurs mit dieser Vielfalt des in irgendeiner Weise Verusachenden umzugehen?

Liegt es daran, dass jeder die Lage nur durch sein eigenes methodisches Prisma betrachtet? Daran, dass diese Verursachungsdynamiken sich innerhalb völlig verschiedener zeitlicher Grössenordnungen abspielen – von der longue durée internationaler Systeme bis hin zu politischen Punktereignissen wie dem Maidan – und daher so wirken, als wären sie analytisch nicht aufeinander beziehbar? Oder daran, dass jede Form von (Mit-) Verursachung fälschlich mit Verantwortung oder Schuld gleichgesetzt wird, was dann zu offenkundigen moralischen Fehlern führt?

Mir scheint die grosse Herausforderung weiterhin zu sein, vor der Komplexität nicht zu kapitulieren, selbst wenn sie alle verfügbaren theoretischen und analytischen Einzelmodelle überfordert. 

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