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Bildung nach Corona - Wie Schule und Lehrerbildung zukunftsfähig werden

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Bildung nach Corona - Wie Schule und Lehrerbildung zukunftsfähig werden

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Introduction

Written by Janne Wagner

Published to te.ma 05.12.2022

Written by Janne Wagner
Published to te.ma 05.12.2022

Nie sei das Potential für Veränderung größer gewesen und nie wurde ein auf die Zukunft ausgerichteter Wandel der Schullandschaft dringender benötigt, argumentiert Olaf-Axel Burow. In seinen beiden neuesten Büchern stellt der Erziehungs- und Zukunftsforscher seine Konzeption der zukunftsfähigen Schule in der Digitalisierung vor.

Corona sei als Lehrmeister die wirksamste Fortbildungsmaßnahme aller Zeiten, statuiert Burow gleich zu Beginn. Während der Soziologe Ulrich Beck 1986 noch eine „Risikogesellschaft”1 diagnostizierte, ließ nach einsetzender Pandemie der Umschwung in eine „Weltrisikogesellschaft”2 nicht lange auf sich warten. Für uns Einzelne resultiert daraus eine Art High-Speed-Lernen, denn wir haben kaum Zeit, uns und unseren Geist an die Flut neuer Formate und Inhalte zu gewöhnen.

Burow sieht in dieser Entwicklung die Gelegenheit einer Revolution des Schulsystems - ein Weckruf, der wahrgenommen werden müsse, um heranwachsende Generationen mit den notwendigen Zukunftskompetenzen auszustatten. Die klassische Schule, so Buhrow, wird einer Revolution unterliegen, die sich durch sieben Trends3 in der Schule und sieben daraus resultierenden Konsequenzen für die Lehrerbildung auszeichnet:

  1. Digitalisierung

  2. Personalisierung des Lehrens und Lernens und damit eine Veränderung der Lehrerrolle

  3. Vernetzung

  4. Veränderung des Lehr- und Lernraums

  5. gesundheitsorientierte, „gesunde Schule“

  6. Demokratisierung

  7. Glücksorientierung

In Anbetracht des aktuellen Diskurses verwundert es kaum, dass auch Burow eine prominente Position für Fragen der Digitalisierung in der schulischen Bildung fordert. Digitale Formate können – im Sinne des personenzentrierten und passgenauen Lernens – dazu beitragen, bewährte Ziele der Pädagogik im Allgemeinen und der Reformpädagogik im Besonderen zu aktualisieren. Diese These verfolgt Burow ausführlich im Sammelband Schule digital – wie geht das?, den er im Jahr 2019 herausgab.4

Überraschend für den ansonsten recht nüchternen Diskurs um die digitale Schule und Schulentwicklung, nimmt sich Burows siebter Trend Glücksorientierung aus. Ausgehend von einer Positiven Pädagogik plädiert Burow auch hier für die unbedingte Ausrichtung der pädagogischen Initiative auf die individuellen Stärken und Eignungen.´Dies sei zentral für die Zukunft des einzelnen Lernenden in der digitalen Transformation und soll darüber hinaus ein gelingendes Leben ermöglichen.

Damit seine sieben Trends ihre volle Wirkung entfalten, steht nach Burow noch ein entscheidender struktureller Schritt bevor. Um Lernenden diese Zukunftskompetenzen zu vermitteln, bedarf es Lehrkräfte, die diese auch vermitteln könnten. Und hier kommen, im Sinne einer radikalen Umgestaltung der Lehrerbildung, Burows sieben Konsequenzen in Betrachtung. Im Fokus der zu vermittelnden Kompetenzen für Lehrkräfte stehen:5

  • Kritisches Denken und Problemlösen

  • Kommunikation und Kollaboration

  • Kreativität und Innovation

  • Metalernen


Für Burow besteht der Reformbedarf entsprechend nicht allein im organisatorischen, strukturellen Bereich in der Verantwortung der Schulen und Bildungsministerien. Relevanter scheint ihm eine Neuerung der Studieninhalte und -methoden an den Universitäten. Er ist einer der vehementesten Vertreter der These, dass  Lehrende nicht mehr als reine Wissensvermittler fungieren dürften, sondern selbst zu Schulentwicklern bzw. „Future Designern“ werden müssten. Erst dann köannen die Schule der Zukunft gestaltet und die heranwachsenden Generationen mit den dringend benötigten Zukunftskompetenzen ausgestattet werden. Allerdings durchlaufen die kommenden „Future Designer“ in den kommenden Jahren noch die diversen Phasen der Lehrkräfteausbildung und sind damit derzeit bei sinkenden Studierendenzahlen ein höchst fragiles Versprechen auf die digitale Bildungsrevolution.

Footnotes
5

Ulrich Beck: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Suhrkamp Verlag, Berlin 1986, ISBN 978-3-518-11365-3.

Ulrich Beck: Weltrisikogesellschaft. Auf der Suche nach der verlorenen Sicherheit. Suhrkamp Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-518-46038-2.

Olaf-Axel Burow & Charlotte Gallenkamp: Bildung 2030 – Sieben Trends, die Schule revolutionieren. Beltz, Weinheim 2017, ISBN 978-3-407-25760-4.

Olaf-Axel Burow: Schule digital – wie geht das? Beltz, Weinheim 2019, ISBN 978-3-407-63131-2.

Olaf-Axel Burow: Schule digital – wie geht das? Beltz, Weinheim 2019, ISBN 978-3-407-63131-2.

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Zwanzig Jahre nach „Risikogesellschaft“ erweitert Ulrich Beck seine Zeitdiagnostik und entwickelt das Konzept der Weltrisikogesellschaft. Diese sei im Zeichen von Terrorismus, Klimakatastrophen, Finanzkrisen oder globalisierten Lieferketten nun befindlich auf der Suche nach verlorener Sicherheit.

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