Julian Andrej Rott stellt vor:

Generic masculine words and thinking

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Generic masculine words and thinking

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Geschrieben von Julian Andrej Rott

Bei te.ma veröffentlicht 11.11.2022

te.ma DOI https://doi.org/10.57964/jhjh-ep06

Geschrieben von Julian Andrej Rott
Bei te.ma veröffentlicht 11.11.2022
te.ma DOI https://doi.org/10.57964/jhjh-ep06

Das generische Maskulinum ist ein Symptom der tief patriarchalen Prägung unserer Gesellschaft und es trägt aktiv zu ihren sexistischen Strukturen bei, sagt Foxx Silveira. Ihr wegweisender Aufsatz aus dem Jahr 1980 wirft Fragen zur Genderrepräsentation in der Sprache auf, die in der Psycholinguistik bis heute bearbeitet werden.

Anhand der Beispielformen „man“ und „he“ untersucht Foxx Silveira die psychologische Wirkung von generisch maskulinen Worten. Sie geht grundsätzlich von der These aus, dass in einer patriarchalen Gesellschaft die generelle Grundannahme Mensch = männlich zutrifft. Ihre theoretische Argumentation basiert vorwiegend auf der eigenen Sprachintuition sowie Einzelfallbeobachtungen. Ihr Herangehen kann sie im Übergang von den 1970er in die 1980er Jahre nur mit wenigen Studien aus dem damals noch sehr jungen Forschungszweig der Psycholinguistik untermauern. 

Silveira kommt zu dem Schluss, dass generische Maskulina eine klare Wahrnehmungsverzerrung in die männliche Richtung verursachen. Zugleich machen sie die Benachteiligung von nicht-männlichen Personen sichtbar. Foxx Silveira arbeitete sich in der Begründung von den einfachen Effekten an der sprachlichen Oberfläche über deren kausale Wechselwirkung mit dem gesellschaftlichen Kontext bis hin zu den Auswirkungen auf die Wahrnehmung von Frauen vor. Fast nebenbei legt sie zudem den unhinterfragten linguistischen Sexismus der damaligen etablierten Sprachwissenschaft offen und verdeutlicht, wie die implizite Annahme Mensch = männlich die Tragweite ihrer Beobachtungen schmälert. 

Der Aufsatz ist in seiner Schärfe und der gewählten Sprache eindeutig aktivistisch motiviert. Dennoch gelingt es Silveira, so klar nachvollziehbar und anspruchsvoll zu argumentieren, dass ihre Perspektive nicht in akademischem Kauderwelsch oder technischen Termini untergeht. Aus diesem Grund ist ihr Text noch immer vielzitiert. Mit der empirischen Überprüfung seiner Grundthesen beschäftigt sich die aktuelle psycholinguistische Forschung jedenfalls noch immer. 

Der Fokus von Silveiras Arbeit liegt zwar auf der englischen Sprachgemeinschaft der USA, aber die Beobachtungen lassen sich gut auf die Debatte im deutschen Sprachraum übertragen, denn sie abstrahiert trennscharf von dem von ihr angesetzten sexistischen Grundmuster, das sicherlich in allen westlich geprägten Gesellschaften gegeben ist. Im Deutschen sind nur die sprachlichen Steine des Anstoßes andere, streitet man sich hierzulande doch eher über Suffixe wie -*innen statt über ganze Wörter wie beim Englischen man, actor oder he. Aber gleich welche Worte man benutzt, sie sind immer auch Ansatzpunkt für Gleichstellungsbelange. Ein Zusammenhang, der seit nunmehr 40 Jahren Bestand hat. Wer beginnt, sich ernsthaft mit der Frage der Gendergerechtigkeit zu beschäftigen, steckt schon mitten in ihren Grundsatzfragen – das wusste auch Silveira. Sie enthüllt erst ganz am Ende, dass sie, ganz heimlich, genau diese gezielte Arbeit schon im Laufe des Artikels an ihren Leser*innen begonnen hat.

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Eingeschränkter Zugang
Eingeschränkter Zugang bedeutet, dass das Material nicht ohne weiteres öffentlich zugänglich ist.

Foxx Silveira war Herausgeberin des Journals „Lesbian Ethics“, das von 1984-1996 erschien und philosophische und politische Essays sowie Rezensionen und Debatten von über 110 feministischen Autorinnen veröffentlichte. Das Journal und Silveiras Arbeit im Allgemeinen entstammen dem Feminismus der zweiten Welle, für den oft der Slogan „das Private ist politisch“ genannt wird. Feministinnen der zweiten Welle setzten sich u.a. intensiv mit den Beziehungen von Frauen zu Männern, mit körperlicher Selbstbestimmung, Sexualität und Familienleben auseinander.

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