Hera Shokohi introduces

The Gates of Europe. A History of Ukraine

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Serhii Plokhy2015 Ukraine: Krieg
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The Gates of Europe. A History of Ukraine

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Introduction

Written by Hera Shokohi

Published to te.ma 10.01.2023

te.ma DOI https://doi.org/10.57964/xatk-8v91

Written by Hera Shokohi
Published to te.ma 10.01.2023
te.ma DOI https://doi.org/10.57964/xatk-8v91

Serhii Plokhys Hauptwerk The Gates of Europe ist eine Geschichte der Ukraine von der Spätantike bis zur Gegenwart. Das Buch zeichnet ein Land, das über Jahrhunderte eine Brücke zwischen Ost und West und Schnittstelle verschiedener Imperien war.

Der erste Historiker, der über die Ukraine schrieb, sei Herodot, so Serhii Plokhy in der Eröffnung seiner Geschichte der Ukraine. Er selbst beginnt mit der Ethnogenese der Slawen sowie der Entstehung der Kiewer Rus und endet mit der russischen Annexion der Krim 2014. Plokhy, der als Historiker am Harvard Department of History lehrt, veröffentlichte sein Buch 2015. Es ist auch deswegen von großer Bedeutung, da es bisher nur wenige Überblicksdarstellungen zur ukrainischen Geschichte gibt. Im deutschsprachigen Raum fanden sich für lange Zeit nur zwei Einführungen in die Geschichte der Ukraine, nämlich Andreas Kappelers Kleine Geschichte der Ukraine und Kerstin Jobsts Geschichte der Ukraine. 2022 erschien Plokhys Buch nun auch auf Deutsch unter dem Titel Das Tor Europas.1

Die Ukraine stand in ihrer Vergangenheit unter osmanischer, habsburgischer, polnischer, zaristischer und sowjetischer Herrschaft. Dadurch habe die Bevölkerung der Ukraine eine einzigartige Charakteristik herausgebildet: eine Grenzidentität und ein Grenz-Ethos (frontier identity and ethos). Das Motiv der Grenze findet sich auch im Landesnamen wieder: Ukrajina bedeutet Grenzland. Der Begriff Grenzland beschreibt die Geschichte der Ukraine auch in anderer Hinsicht passend, denn in all den Jahrhunderten der Fremdherrschaft wurde sie nicht als Kolonie, sondern als fester Bestandteil der jeweiligen Imperien betrachtet. So argumentiert auch der Historiker Yaroslav Hrytsak: Die Ukraine sei immer eine bedeutungsvolle Region der sie beherrschenden Imperien gewesen, da sie sich eben stets an deren Grenzen befand und als Teil des imperialen Kernlandes zu integrieren war.

Die Idee der Ukraine als Schnittstelle und Grenzland spiegelt sich auch in den Namen der Kapitel des Buches von Plokhy wider: Begegnungen zwischen Ost und West, Zwischen den Imperien, Die Kriege der Welten – sie weisen auf die geographische und politische Sonderrolle der Ukraine hin. Plokhy arbeitet zudem heraus, dass die Ukraine in ihrer Geschichte und Gegenwart von erheblicher Diversität geprägt wurde: Sie war und ist multiethnisch, multikulturell, multireligiös und multilingual.

Plokhy setzt sich in seinem Buch zwar mit wissenschaftlichen Forschungskontroversen in der ukrainischen Geschichte auseinander, tut dies aber ohne diesen für sich genommen viel Raum zu geben. So schreibt er etwa über Stepan Bandera und die OUN, dass sie loyale Verbündete der Nationalsozialisten waren, geht sonst aber nicht im Detail auf die Verbrechen Banderas und die Rezeption seiner Taten ein. Auch beim Holodomor geht er ähnlich vor: In einem kurzen Absatz formuliert er, dass eine Mehrzahl von Historiker:innen den Holodomor als Genozid bewertet. Er selbst setzt sich jedoch mit der Genozidfrage genuin nicht auseinander. 

Plokhy geht es in seinem Buch also nicht so sehr darum, die Rezeption der Vergangenheit einzubeziehen, sondern vielmehr darum, historisches Grundlagenwissen über die Ukraine zu vermitteln. Dies gelingt ihm, indem er den internationalen und transnationalen Charakter der ukrainischen Geschichte herausarbeitet und akzentuiert, inwiefern die Geschichte der Ukraine tief mit der Geschichte europäischer und nichteuropäischer Großreiche verflochten war.

Footnotes
1

Kerstin S. Jobst: Geschichte der Ukraine, aktualisierte und erweiterte Neuausgabe, Stuttgart 2022; Andreas Kappeler: Kleine Geschichte der Ukraine, 8. Auflage, München 2022; Serhii Plokhy: Das Tor Europas. Die Geschichte der Ukraine, Hamburg 2022.

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Die Kyjiwer Rus war ein mittelalterliches Großreich auf den Territorien des heutigen Russland, Belarus und der Ukraine. Während der Rurikiden-Dynastie war Kyjiw der Hauptsitz des Großfürsten. Im 13. Jahrhundert zerfiel das Reich aufgrund von mongolischen Angriffen. Bis heute spielt das Erbe der Rus eine große Rolle: Sowohl Russland, als auch Belarus und die Ukraine bezeichnen die Kyjiwer Rus als den Ursprung ihrer Staatlichkeit.

Prozess der Herausbildung eines Volkes oder einer anderen ethnischen Einheit.

Stepan Bandera (1909-1959) war ein ukrainischer nationalistischer Aktivist und Politiker. Er war Mitglied der 1929 gegründeten Organisation Ukraninischer Nationalisten (OUN), ab 1940 dann Führer der Bandera-Franktion der OUN (OUN-B). Bandera und Teile der Partisanenarmee der OUN (UPA, Ukrainische Aufständische Armee) waren NS-Kollaborateure. Bis heute ist das Erbe Banderas umstritten: So wird er zum Beispiel in der Westukraine überwiegend als Nationaldheld und Widerstandskämpfer gefeiert, in anderen Teilen des Landes und im Ausland allerdings als Kriegsverbrecher gesehen.

Die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) war eine 1929 gegründete nationalistische Vereinigung in der Ukraine, deren Ziel ein unabhängiger ukrainischer Nationalstaat war. Die OUN verfügte über eine Partisanenarmee, die Ukrainische Aufständische Armee (UPA). 1940 spaltete sich die OUN in die Melnyk-Fraktion (OUN-M) und die Bandera-Fraktion (OUN-B).

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